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Groitzsch

Geschichte

Die ältesten Funde im Stadtgebiet reichen bis auf 5500 v. Chr. zurück. Ausgrabungen belegen eine hohe Siedlungsdichte im Neolithikum. Das fruchtbare Schwemmland von Elster und Pleiße bot den germanischen Bewohnern ideale Lebensbedingungen. Später gehörte Groitzsch zum Einzugsgebiet von Thüringer Stämmen.

Arkadenhaus in der Breitstraße 16

Im 7. Jahrhundert dehnen sich die Slawen bis an Elbe und Saale aus. Bis ins 8. / 9. Jahrhundert bestanden die Kulturen friedlich nebeneinander fort. Zahlreiche Namen weisen auf vorslawische Ursprünge hin. Im Laufe des frühen Mittelalters wuchs die Bevölkerung um eine neue Welle von Siedlern aus Thüringen und dem Fränkischen Reich an. In der Stadtgeschichte finden sich aber auch Spuren einiger jüdischer Bewohner, unter anderem als Besitzer einer Schuhfabrik.

Der Markt mit Gründerzeitrathaus (links)

1039 wurde Groitzsch in der Chronik der Nachbarstadt Pegau erstmals erwähnt. In dieser Zeit hatte sich bereits eine Ansiedlung gebildet, die unter dem Schutz einer Burg stand und vom Handel lebte. Im Jahre 1214 erhielt Groitzsch das Stadtrecht. Die Anlage der Straßen rund um Kirche und Markt lässt wesentliche Grundzüge mittelalterlicher Stadtplanung erahnen.

Seit dem ausgehenden Mittelalter blühte in Groitzsch das Schuhmacherhandwerk, was auch neue Einwohner anlockte. Die Handwerker schlossen sich in Zünften zusammen und fuhren zur Leipziger Messe, um ihre Waren feilzubieten. So kam der Ort zu Ruhm und Reichtum, während es aber auch viele Leute gab, die arm blieben. 1513 zerstörte ein Brand die Stadt und die alte Kirche St. Aegydius, von der heute noch der Turm erhalten ist, der als Museum dient.

Das Groitzscher Postamt

Im 19. Jahrhundert wurden viele Fabriken gebaut und es erfolgte eine großzügige Erweiterung der Stadtanlage, aus dieser Phase stammen viele der heute noch erhaltenen Gründerzeithäuser. 1874 erhielt der Ort einen Anschluss an das Eisenbahnnetz über die Strecke Gaschwitz–Groitzsch–Meuselwitz. Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Bomben unter anderem den Bereich um den Bahnhof schwer. Am 14. April 1945 marschierten amerikanische Truppen ein, die bis zum 30. Juni blieben. Danach besetzten russische Truppen die Stadt. Im Jahr 1989 beging Groitzsch seine 950-Jahr-Feier. Im Jahr 1996 wurde die Verwaltungsgemeinschaft aus den vier Gemeinden Auligk, Audigast, Berndorf, Großstolpen eingemeindet.

Sehenswürdigkeiten

Das Wahrzeichen der Stadt ist der 1904 errichtete Wasserturm. Das 45 Meter hohe Bauwerk aus Stahl wird bis heute genutzt. In seinem Obergeschoss gibt es eine Aussichtsplattform, die zu besonderen Gelegenheiten geöffnet wird.

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen der Stadt

Einen Rundgang startet man am besten am neu gestalteten Marktplatz mit seinen Stadthäusern, dem Rathaus und der Traditionsgaststätte Weißes Roß. Unweit davon findet der Besucher das Heimatmuseum am Stadtturm, untergebracht in einem Rest der ehemaligen Stadtkirche St. Aegydius aus romanischer Zeit, der früher als Gefängnis diente. Hier wird der Öffentlichkeit eine Reihe von heimatgeschichtlichen Ausstellungen gezeigt. Thematiken sind der Turm selbst, die Stadtgeschichte, aber auch die Wiprechtsburg.

St. Aegydius

Im Gebiet des alten Stadtkerns wurden leider bereits viele Häuser abgerissen und moderne Bauten errichtet. Bei einem Bummel durch die Gassen hinter dem Turm kommt man zur Stadtmühle am Schnaudermühlgraben. Die Ersterwähnung stammt aus dem 12. Jahrhundert. Das heutige Gebäude wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut und 1930 nach einem Brand neu errichtet. 1985 ging die Mühle außer Betrieb und wurde um das Jahr 2000 von der Stadt modernisiert. Auf über 100 Quadratmeter finden auf zwei Etagen wechselnde Ausstellungen statt. Auf einer Anhöhe am westlichen Rande des Stadtkerns steht schließlich die Frauenkirche. Sie ist ebenfalls romanischen Ursprungs und mehrfach umgebaut und renoviert.

Stadtmühle Groitzsch

Wiprechtsburg

Auf einer Anhöhe stand vor langer Zeit die Burg des Grafen Wiprecht von Groitzsch. Der Adelige aus der Altmark kam um 1070 nach Groitzsch und legte den Grundstein zu einer Festung, die über fünfzig Jahre lang sein Zuhause sein sollte. Wiprecht war Ahnherr der berühmten sächsischen Wettiner Linie und damit auch zahlreicher moderner Königshäuser. Besucher können sich auf Tafeln über die Geschichte des Ortes informieren. Von der Burg selbst sind nach mehrfachen Eingriffen nur noch spärliche Reste zu sehen. Diese wurden archäologisch untersucht und 1936 als Bodendenkmal unter Schutz gestellt.

Ruinen der Wiprechtsburg mit Freilichtbühne

Früher befand sich neben der Burg ein beliebtes Ausflugslokal. Auf dem Gelände gibt es heute eine Freilichtbühne für Veranstaltungen. Regional bedeutend ist das Flursteinlapidarium mit einer Sammlung von etwa 40 Flur- und Grenzsteinen, die teils aus abgebaggerten Orten der Umgebung stammen.

Rundturm

Groitzscher Weinberg

Flursteinlapidarium

Stimmungsbild mit Wiprechtsburg.
Oben ist das ehemalige Ausflugslokal zu sehen.

Gemütliches Beisammensein auf der Wiprechtsburg

Kirchen

Groitzsch hat ein vielfältiges Kirchenleben und mehrere Kirchengemeinden. Die meisten Glaubensangehörigen sind Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. Die Stadt bildet mit Pödelwitz und Audigast sowie der ehemaligen Pfarrei für Auligk, Gatzen und Michelwitz eine Gesamtgemeinde.

Dorfkirche Audigast

Der Ortsteil Hohendorf gehört zum Kirchspiel Regis-Breitingen. Die Katholiken besuchen die Gottesdienste der Kirche St. Hedwig in Pegau und der Heilig-Geist-Gemeinde in Zwenkau. Auch die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen) ist in Groitzsch vertreten. Sie unterhält zudem eine Familienforscherstelle am Markt. Hier können interessierte Ahnenforscher Mikrofilme mit genealogischen Dokumenten anschauen, die sie vorher über die Internetseite bestellt haben.

Die Frauenkirche

Die Hauptkirche der Stadt ist die Frauenkirche. Sie ist ursprünglich romanischen Ursprungs und wurde Ende des 19. Jahrhunderts umgebaut. Bis 2007 erfolgte die Sanierung des gesamten Dachstuhls und Innenraumes. Daneben befindet sich der Friedhof, der von hohen Bäumen und dem Groitzscher Burgberg umrahmt wird.

Noch älter ist der Stadtturm am Turmplatz, in dem sich heute das Museum befindet. Er gehörte im Mittelalter zu einer beeindruckenden Kirche. Nachdem das Kirchenschiff abgebrochen wurde, diente der Turm einige Zeit lang als Gefängnis.

Naturschutzgebiet Pfarrholz im Winter

Außerhalb der Stadt

Zwischen Groitzsch und der Grenze zu Sachsen-Anhalt liegen die Auen der Weißen Elster und das Naturschutzgebiet Pfarrholz. Die 154 m ü. NN. hohe Erhebung Dreilindenberg bei Wischstauden bietet eine gute Aussicht. Die Umgebung wird durch ein Netz an Wander- und Radwegen zunehmends besser erschlossen.

Hier sind Ausflüge in die Nachbarstadt Pegau und die bäuerlich geprägte Landschaft zwischen Groitzsch, Zeitz und Lucka möglich. Bei Hohendorf befindet sich ein geologischer Lehrpfad und der Pfad des Baumes, der zum 171 m ü. NN. hoch gelegenen Geyersberg führt. Auch Tagebau-Aussichtspunkte wie der bei Deutzen oder im Revierpark Profen bieten einen guten Rundumblick.

Dreiherrenstein bei Maltitz

Der Ortsteil Maltitz befindet sich in der Nähe von Lucka. In südwestlicher Richtung davon liegt das Dreiländereck von Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Es ist durch den Dreiherrenstein markiert. Hier gibt es auch einen großen Windpark. Im Jahre 2013 tauschten die drei Regierungen nach vorheriger Absprache untereinander Land aus, und die Grenzziehung veränderte sich leicht.

Badefreunde kommen am Großstolpener See auf ihre Kosten. Weitere zum Sächsischen Seenland gehörende Gewässer sind der Haselbacher See, das Speicherbecken Borna und der Werbener See. Eine Reihe an Tagebauen haben sich zu abwechslungsreichen Naherholungsgebieten entwickelt. Erwähnenswert ist hier besonders der Zwenkauer See mit seiner Hafenanlage und guter Gastronomie.

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