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Ausgrabungen am Brühl / Katharinenstraße in Leipzig

Seit Oktober 2015 wird der "Museumswinkel" an der Ecke Brühl / Katharinenstraße archäologisch untersucht. Die Häuser stammen aus dem Mittelalter und sind ein Rest des alten Leipzig.

An dieser Stelle befand sich vor der Reformation die Katharinenkirche. Die Archäologen entdeckten unter anderem Kellerfundamente aus dem Mittelalter, einen komplett erhaltenen Türbogen und kunsthandwerklich hergestellte Ziegel.

Im 16. Jahrhundert wohnte der Baumeister des Leipziger Rathauses, Hieronymus Lotter, in einem Haus an der Ecke vom Brühl zur Katharinenstraße.

Ziegel und alte Holzbalken liegen auf einem Haufen, wo das Lotterhaus noch bis 1943 stand.

Hieronymus Lotter wurde 1497 in Nürnberg geboren und war Bürgermeister in Leipzig. 1531 heiratete er in Leipzig die Tochter eines Ratsherren, Katharina Bauer. Auch ihre Schwester war mit einem Nürnberger verheiratet. Die Familie war weitläufig mit dem Reformator Martin Luther verwandt, der immer wieder gerne nach Leipzig kam und hier predigte.

In den Kellern lagern noch allerhand Überreste aus der Vorkriegszeit. Der Gegenstand rechts im Bild könnte eine Heizung gewesen sein. Darüber erkennt man alte Metallrohre.

Nach der Beendigung der archäologischen Untersuchungen soll hier das "Bernstein-Carré" erbaut werden. Die ehemaligen Bürgerhäuser werden nicht rekonstruiert. Vielmehr entsteht ein urbanes mehrstöckiges Geschäftshaus.

Der Name erinnert an Beril Bernstein, einen Leipziger Juden, dessen Familie ein Pelzgeschäft betrieb. Nach der Reichspogromnacht 1938 wanderte die Familie nach London aus und verkaufte ihre Immobilien. Bernstein ist rund um Leipzig ein recht verbreiteter Name und taucht schon im 16. Jahrhundert in den Leipziger Chroniken auf.

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