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Magdeborn

Zur Gemeinde Magdeborn gehörten die Dörfer Dechwitz, Göhren, Göltzschen, Gruna, Kötzschwitz, Sestewitz und Tanzberg. Sie lagen südöstlich von Leipzig in der so genannten Leipziger Schweiz, einem Flusstal mit leichten Erhebungen. Ein romanischer Kirchenbau mit dem Namen „Meydebur“ wurde Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt.

 Die schwimmende Kirche „Vineta“ auf dem Störmthaler See wurde von der Magdeborner Kirche inspiriert.

Bereits vor dem Jahr 1000 gab es eine Burganlage, die den Menschen Schutz gewährte. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts wurde Kötzschwitz verlassen. Danach existierte an dieser Stelle ein Rittergut, das lange Zeit die Grundherrschaft inne hatte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gehörte die Pfarrkirche von Magdeborn zum Diakonat Grimma und hatte mit den Dörfern Dreiskau, Espenhain, Kleinpötzschau und Störmthal einen weiten Einzugsbereich. Wie in der Leipziger Gegend üblich, wurde die Kirche um 1540 nach der lutherischen Glaubensrichtung reformiert.

Magdeborner Landschaft im Frühling 2010

1791 ging die Herrschaft auf das Amt Leipzig über. Bei den Ereignissen rund um die Völkerschlacht am 16. Oktober 1813 spielte Magdeborn eine Rolle als Grenzort zwischen der russischen und napoleonischen Armee. Von hier aus gelang die Rückeroberung der Leipziger Gegend durch Preußen, Habsburger und Russen unter General Fürst zu Schwarzenberg auf dem Südlichen Schlachtfeld bei Wachau. 1824 befand sich nahe bei der Kirche das Pfarrhaus und die Schule. Allmählich wurde der Name Magdeborn auch für das etwa 100 Einwohner zählende Tanzberg, das gegenüber liegende Dechwitz und das Gut Kötzschwitz gebräuchlich. Alle vier Orte hatten zusammen etwa 270 Einwohner.

Wachtbergdenkmal für den Standort der drei Monarchen am 16. Oktober 1813. Alexander I. von Russland, Franz I. von Österreich, Friedrich Wilhelm III. von Preußen.

Im 19. Jahrhundert verarmte die ländliche Bevölkerung Magdeborns zusehends. Das Land reichte nicht mehr aus, um die stetig wachsende Zahl an Menschen zu ernähren. Deshalb suchten etliche Magdeborner ihr Glück woanders und wanderten in die Vereinigten Staaten aus. Selbst wenn die Reise mit dem Schiff damals noch mehrere Wochen dauerte, die Menschen seekrank wurden und die Zukunft ungewiss war, stand die Aussicht auf ein gutes Leben im Mittelpunkt.

Die alte Fernstraße

Zögernd verbesserte sich auch die wirtschaftliche Situation vor Ort. Mit der Gründung des Deutschen Reiches kam Magdeborn vom Amt Rötha zur Amtshauptmannschaft Leipzig. Um 1900 wurde mit dem Abbau von Braunkohle begonnen. Arbeiter aus entfernten Gegenden zogen nun her, und es entstanden neue Siedlungen. 1934 wurden die sieben Dörfer zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. 1939 zählte man bereits um die 2000 Einwohner. Mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen und weiteren Arbeitern nach dem Krieg erhöhte sich die Einwohnerzahl nochmals stark.

Beim ehemaligen Dorf Gruna

Ab den 1960er Jahren dehnte sich der Tagebau Espenhain aus, und verschlang von 1963 bis 1980 alle Dörfer vom Gut Kötzschwitz bis zur Kirche Magdeborn. 1984 verschwand mit Rödgen der letzte Ort, der nach Magdeborn eingepfarrt war. 1994 wurde der Tagebau Espenhain offiziell stillgelegt, letzte Kohlezüge fuhren noch bis 1996. Von 2001 bis 2012 füllte man den Tagebau mit Wasser. Auf seiner Fläche befindet sich heute der Störmthaler See.

 Gedenkstein am Störmthaler See

Am Feriendorf Lagovida erinnert ein Gedenkstein an Magdeborn. Die schwimmende Kirche „Vineta“ auf dem Störmthaler See ist in der Form der Magdeborner Kirche nachgebildet. Auf dem Platz vor der Wachauer Kirchenruine steht ein 1982 umgesetztes Denkmal vom Wachtberg bei Göhren. Auf dem Leipziger Südfriedhof haben einige Magdeborner ihren Verstorbenen eine neue Urnengrabstätte errichtet. Magdeborner Straßen gibt es in Leipzig, Markkleeberg, Borna und Großpösna. In Störmthal gibt es die Dechwitzer, Göhrener und Sestewitzer Straße. In Dreiskau haben der Grunaer und der Rödgener Weg die Namen der alten Dörfer behalten, in die sie einst führten.

 Ein Magdeborner Apfelbaum trägt Früchte, aber kein Bewohner erntet sie.

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