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Wüstungsstein

Zwischen Heinersdorf, Beucha und Steinbach liegt die wüste Mark Wüstungsstein oder Wüstung Stein. Bis zum späten Mittelalter stand hier ein Dorf.

Beuchaer Oberweg

Vor Jahrhunderten muss diese Gegend sehr dünn besiedelt gewesen sein. Eine urkundliche Erwähnung von Stein reicht zurück ins Jahr 1355. Die Menschen lebten meist als Bauern. In der Umgebung lag noch der Ort Altmannsdorf. Er wurde 1405 als „Altmarsdorf“ und 1424 als „Almstorff“ erwähnt. Diese Dörfer waren sehr klein, aber hatten ein reges Gemeinschaftsleben. Noch vor der Reformation müssen die Menschen ihre Behausungen verlassen haben. Stein und Altmannsdorf fielen wüst.

Teich in Wüstungsstein

Ursachen darin lagen wahrscheinlich in den kriegerischen Auseinandersetzungen des 15. Jahrhunderts. Dazu gehören die Hussitenüberfälle, die in der Gegend zwischen 1430 und 1436 schwere Zerstörungen anrichteten. Ebenso der Sächsische Bruderkrieg, der von 1456 bis 1461 dauerte und zwischen den Brüdern Herzog Wilhelm III. und Kurfürst Friedrich II. ausgetragen wurde. Unter den jahrelangen Streitigkeiten hatten große Gebiete in Thüringen und Sachsen zu leiden, an deren Ende die beiden Länder schließlich geteilt wurden.

Die Ortslage - mit Bäumen bewachsen

Stein und Altmannsdorf werden auch in der Neuzeit noch regelmäßig erwähnt. Letzteres wird 1548 als „wüst“ bezeichnet. Wahrscheinlich wurden die Häuser der Menschen durch kriegerische Einwirkungen zerstört und es lohnte nicht mehr, sie aufzubauen. Die Verbliebenen siedelten sich dann an einem anderen Ort neu an. Damals waren viele Bewohner einer Gegend miteinander verwandt und es war recht üblich, innerhalb der vertrauten Umgebung zu bleiben.

Teich in Wüstungsstein

Nach 1548 gehörte die Wüstung Stein zum Amt Colditz, wo sie bis zum Wechsel zur Amtshauptmannschaft Borna im Jahr 1875 verblieb. Die Fluren gehörten zu Heinersdorf und zeitweilig hatte auch das Rittergut Pomßen Anteil an den Ländereien. Ab 1834 wurden auf der Gemarkung Wüstungsstein einige Häuser neu gebaut. 1875 wurde Wüstungsstein ein Ortsteil von Heinersdorf und von Bad Lausick eingepfarrt. Von 1930 bis 2001 gehörte Wüstungsstein zur Kirchgemeinde Etzoldshain.

Vorne rechts wo die Bäume stehen, geht es rechts ab.

Heute erreicht man den Ort über die Staatsstraße 48 von Espenhain nach Heinersdorf. Wo die meisten Häuser stehen und ein kleiner Teich liegt, biegt ein Weg ab zu einer Kleingartenanlage. An deren Ende befindet sich die historische Ortslage. Sie wird begrenzt durch die Wüstungssteiner Straße im Norden, und den Hanggraben im Süden. Die Stelle an der sich das Dorf befunden haben muss, ist von dichtem Wald bewachsen. Wie so viele Dörfer sie auch hatten, gibt es hier mehrere Teiche. Sie bildeten die ideale Grundlage für das tägliche Überleben, sicherten die Trinkwasserversorgung und das Wasser zur Verrichtung des Haushaltes. Von der oberhalb entlang führenden Straße fällt der Hang kurz, aber relativ schroff zu den Teichen ab.

Viehweide in der Aue

Reste von Häusern sind bis heute nicht mehr erhalten. Man kann sich aber gut vorstellen, wie es hier früher einmal ausgesehen haben muss. Sicherlich gab es viele Bauernhöfe, und in der südlich angrenzenden Aue konnten die Bewohner ihr Vieh weiden lassen. Möglicherweise gab es auch eine Kirche oder wenigstens eine Kapelle. Große Teile des Gebietes können auf einem kleinen Weg durchwandert werden, und man kann auch eine Rast an einem der Seen machen. Wo der Wald wieder aufhört, führt ein Pfad hinauf zur Landstraße.

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