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Pulgar

Das Dorf Pulgar war zwischen Zwenkau und Böhlen im Landkreis Leipzig gelegen. Es lag an der alten Salzstraße von Leipzig über Zwenkau, Pulgar und Lobstädt ins Erzgebirge und wurde 1155 erstmals erwähnt.

Pulgar auf einer Landkarte von 1895

Kirchlich gehörte es zu Zwenkau und hatte 1548 21 Einwohner. Bis ins 16. Jahrhundert wurde es als Bulgern genannt. Während der Reformation wurden die Menschen in Pulgar evangelisch-lutherisch und erhielten das zwei Kilometer entfernte Nachbardorf Peres eingepfarrt. Sie lebten von der Landwirtschaft und verließen selten ihre angestammte Umgebung. 1606 übernahm das Rittergut Peres die Grundherrschaft. 1773 bekam Pulgar eine neue Kirche.

Alte Ortslage von Pulgar

1810 gründete Johann Christoph Bauriegel aus der Nähe von Borna ein Privatseminar für Lehrer in Pulgar, wo er bis 1841 fast 70 Stunden pro Woche unterrichtete. Ab 1880 gehörte Pulgar kirchlich zu Medewitzsch. Trotz der Aufschließung der Tagebaue in der Umgebung des Dorfes blieb die Bevölkerungszahl lange konstant. Während des Krieges befanden sich zwei Lager für Gefangene und Zwangsarbeiter in der Nähe von Pulgar. Viele starben und wurden in Pulgar beerdigt.

Gedenkstätte für Gefangene und Zwangsarbeiter

Seit 1961 war der Ort mit Peres zu einer Doppelgemeinde Peres-Pulgar vereinigt. Bis 1975 wurde Pulgar zerstört und die ehemalige Ortslage zum Teil mit einem Chemiewerk überbaut. Peres wurde 1983 zerstört und von einem Tagebau überbaggert. Das Gemeindegebiet gehört heute zu Neukieritzsch. Einzig erhalten geblieben ist die Gedenkstätte für Gefangene und Zwangsarbeiter. Sie wurde nach dem Ende der DDR umgestaltet. Sie befindet sich an der Staatsstraße 71 von Zwenkau in Richtung Neukieritzsch, im Eingangsbereich zum Chemiewerk hinter dem Kreisel. Die Denkmäler und Gedenktafeln erinnern an die Opfer aus den Niederlanden, Italien und der Sowjetunion.

Gedenkstein im ehemaligen Pulgar

Auf Bänken unter hohen Bäumen kann man für einen Moment Rast machen. Gegenüber von diesem Ort wurde ein Gedenkstein für Piegel, Peres und Pulgar aufgestellt. Die Plakette trägt die Aufschrift: "Unvergessene Heimat". Einen ähnlichen Gedenkstein gibt es in dem Dörfchen Medewitzsch, das heute den Namen Lippendorf anstelle eines ebenfalls zerstörten Ortes trägt. Dieser Gedenkstein befindet sich neben der Straße auf einem Stück Wiese, wo ein asphaltierter Weg zum Tagebau abzweigt.

Gedenkstein in Medewitzsch

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