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Peres

Peres war ein altes Dorf zwischen Leipzig und Borna. Die Ersterwähnung reicht in die Zeit um 1100. Markgraf Otto von Meißen nannte 1156 in einer Siedlungsurkunde zur Stadt Leipzig einen Albertus de Pores. Der Ort war relativ klein und die meisten Menschen lebten von der Landwirtschaft.

Peres auf einer Landkarte von 1750

Es gab hier ein Rittergut mit eigenem Patrimonialgericht und Lokalverwaltung. Besitzer waren die Herren von Peres und später auch andere Familien. Zum Herrschaftsgebiet gehörten neben Peres zeitweise auch die Nachbardörfer Pulgar und Teile von Piegel. Die Herren von Peres besaßen bis 1640 zudem das Rittergut Audigast.

Rittergut und Schloss Peres. Lithographie von Gustav Adolph Poenicke, 1854.

Peres gehörte kirchlich zu Pulgar und blieb dort bis zuletzt. Piegel war dagegen nach Pödelwitz eingepfarrt. Peres befand sich im Amt Pegau. 1834 hatte es rund 200 Einwohner. 1852 wurde die Gerichtsbarkeit dem Justizamt Pegau übergeben. 1875 wurde Peres der Amtshauptmannschaft Borna und später dem Landkreis zugeordnet.

Gasthof zu Peres um 1905, August Olbrich

Nach dem Krieg kam der Nachbarort Piegel zu Peres, und 1961 bildete es mit Pulgar eine Doppelgemeinde. Die verheerende Industriepolitik der DDR machte der jahrhundertelangen Geschichte dieser Gegend jedoch bald ein Ende. Bis 1975 wurde Pulgar entvölkert und die Häuser abgerissen. Die Ortslage wurde mit einem Chemiewerk überbaut. Die Bewohner von Peres mussten ihr Dorf bis 1983 verlassen. Die Gemarkung wurde für Zwecke der Braunkohleförderung abgebaggert.

Die Straße von Pulgar nach Peres heute

Während des Krieges gab es am Rand von Peres ein Arbeitslager für niederländische Zwangsarbeiter. Ihnen zu Ehren wurde eine Gedenkstätte in Pulgar errichtet. Als der Ort abgerissen wurde, konnte diese erhalten bleiben. Hier befinden sich Denkmäler für Gefangene und Zwangsarbeiter aus den Niederlanden, Italien und der Sowjetunion. Auf Tafeln sind die Namen der Opfer zu lesen.

Tagebau Peres, Blick auf die ehemalige Ortslage

Für die abgebaggerten Dörfer Piegel, Peres und Pulgar wurden zwei Gedenksteine aufgestellt. Einer gleich neben dem Chemiewerk am Kreisel von der Staatsstraße her kommend, an der alten Ortslage von Pulgar. Ein weiterer befindet sich in Lippendorf (früher Medewitzsch), etwa mittig auf einem Stück Wiese neben der Hauptstraße.

Gedenkstein in Medewitzsch

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