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Großhermsdorf


Großhermsdorf wurde 1378 als Gros Hermannsdorff erstmals erwähnt. Es unterstand einer Burg Borna und später dem Amt und Landkreis, wozu der Ort noch bis zur Auflösung des Landkreis Borna im Jahr 1994 gehörte. Im 15. Jahrhundert ist von einem „Hermsdorff“ die Rede, und bei diesem Namen blieb es fortan.

Die Taborkirche

Die Taborkirche soll im 13. Jahrhundert erbaut worden sein. Sie war Pfarrkirche und wurde im 16. Jahrhundert nach der lutherischen Ausrichtung reformiert. Um sie herum lag ein stattlicher Friedhof. 1866 wurde die Kirche durch den Leipziger Architekten Ernst Wilhelm Zocher neu errichtet. 1920 bis 1926 war Heuersdorf nach Großhermsdorf eingepfarrt. 1925 hatte Großhermsdorf 225 evangelische und 31 katholische Einwohner. 1926 kamen Heuersdorf und Großhermsdorf zur Kirchgemeinde Breunsdorf.

Innenraum der Taborkirche

Im Ort gab es ein bedeutendes Rittergut, das viel Besitz in der Umgebung hatte. Es hatte die Herrschaft über Röthgen bei Deutzen und Hartmannsdorf bei Görnitz, alle im ehemaligen Landkreis Borna. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts kletterte die Einwohnerzahl auf über 200. Um 1900 kamen Tagebauarbeiter in die Gegend und siedelten auch in Großhermsdorf. 1935 wurde der Ort nach Heuersdorf eingemeindet. Die neue Gemeinde hatte fortan rund 500 Einwohner.

Rittergut Großhermsdorf, Straßenseite

Nach dem Krieg zogen auch Heimatvertriebene hinzu. 1949 wurde begonnen, im Tagebau Schleenhain Braunkohle abzubauen. Während der DDR-Zeit wurde hier ein riesiges Gebiet überbaggert. Großhermsdorf verlor damit immer mehr Land an den Tagebau. Heuersdorf wurde zur Sackgasse. Nach der Wende von 1989 wollte man von der Braunkohle abrücken. 1993 versprach die damalige Regierung von Sachsen, die beiden Orte Heuersdorf und Großhermsdorf zu erhalten.

Rittergut Großhermsdorf, Innenhof

Doch 1995 folgte der so genannte „Heuersdorf-Vertrag“, der das Ziel hatte, die Menschen umzusiedeln und die beiden Orte abzubaggern. Im Jahr 1999 kam die Gemeinde Heuersdorf vorübergehend zu Regis-Breitingen und wurde Anfang 2000 wieder unabhängig. Am 1. Oktober 2004 wurde Heuersdorf ein zweites Mal nach Regis-Breitingen eingemeindet. Im Mai 2006 begann man mit dem Abbruch erster Gebäude in Heuersdorf. Für die Bewohner wurden in Regis-Breitingen neue Häuser gebaut. 2007 erfolgte die Umsetzung der Emmauskirche nach Borna.

Tafel mit dem neuen Wohngebiet

Bis 2008 waren alle Häuser des Ortsteils Heuersdorf abgerissen, nur Großhermsdorf mit der Taborkirche stand noch. Am 23. November 2008 fand hier der letzte Gottesdienst statt, da am Tag darauf die Kirche entweiht werden sollte. Der umgebende Friedhof wurde im Laufe des Jahres 2008 geräumt und diente 2009 einem Archäologenteam, um die Hinterlassenschaften der früheren Dorfbewohner zu sichern. Dabei wurden hunderte Jahre alte Skelette und diverse Grabbeigaben gefunden.

Im Oktober 2008 steht das Ortsschild noch

War Großhermsdorf im Herbst 2008 noch in einem ausgezeichneten Zustand, zeichnete sich im Mai 2009 ein erschütterndes Bild ab: Die Ortsschilder waren abmontiert, Häuser waren verlassen und die Fensterscheiben eingeworfen. Die meisten Gebäude waren inzwischen abgerissen. Wenn man von Großhermsdorf nach Heuersdorf blickte, tat sich eine Wüstenei auf. Große Schutthalden allerorts, dazwischen aufgerissene Kellerräume und undefinierbare Schneisen wo mal Straßen waren.

Blick von Großhermsdorf nach Heuersdorf im Mai 2009

Ein grausames Bild, kein Stein mehr auf dem anderen, keine Ruine mehr, nicht mal eine Landschaft mit Wiesen und Bäumen, so wie es sie früher mal gab. Im Frühling 2009 standen noch ein paar der alten Bauerngehöfte. Mehr als 40 Gebäude waren denkmalgeschützt, auch darauf nahm man keine Rücksicht. Heuersdorf mit Großhermsdorf war ein Beispiel für den ländlichen Raum um Borna und auch architektonisch mit seinem Fachwerk sehr interessant. Nun mussten fast ausnahmslos alle Bewohner ihre Heimat verlassen und ihr Haus, ihre gewohnte Umgebung zurücklassen.

Herrlicher Bauerngarten im Mai 2009

Die Menschen, die das Dorf verlassen mussten, können einem leid tun. Wer weiß, wie lange, wie viele Jahrhunderte ihre Vorfahren schon an diesem Platz lebten und glücklich waren. Jetzt ist es vorbei, und das nur weil noch keine Anstrengungen für alternative Energieformen unternommen wurden und niemand Verständnis für die Bewohner hatte. Heuersdorf und Großhermsdorf hätten erhalten werden können. Aber jetzt kann man nicht mehr viel machen.

Fachwerkpracht, die es nicht mehr gibt

Das Land wird nie wieder das selbe sein, kann nie wieder so betrachtet und besucht werden, wie es mal war. Auch die Umgebung verändert sich, denn es fehlt einfach was. Das Leben geht nun woanders weiter, und die Heuersdorfer und Großhermsdorfer sollen den Kontakt nicht abreißen lassen. Den ehemaligen Bewohnern bleiben die Erinnerungen an ein Leben in zwei untergegangenen Dörfern.

Großhermsdorf

Auf dem Friedhof in Breitingen befindet sich heute ein Gedenkstein zu Ehren der Verstorbenen, die 2006 von Heuersdorf und 2008 von Großhermsdorf umgebettet wurden.


In der neuen Wohnsiedlung für die Heuersdorfer in Breitingen wurde die Turmspitze der Taborkirche auf ein kleines Haus gestellt. Sie wurde 2010 von der Kirche entfernt. Am 30. November 2013 erfolgte die Einweihung des Erinnerungsortes.

Auf einer Tafel erfährt der Besucher einige Details, nebst einer Ansicht und Bauplänen der alten Kirche.


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