Wüstungsstein

Zwischen Heinersdorf, Beucha und Steinbach liegt die wüste Mark Wüstungsstein oder Wüstung Stein. Bis zum späten Mittelalter stand hier ein Dorf.

Beuchaer Oberweg

Vor Jahrhunderten muss diese Gegend sehr dünn besiedelt gewesen sein. Eine urkundliche Erwähnung von Stein reicht zurück ins Jahr 1355. Die Menschen lebten meist als Bauern. In der Umgebung lag noch der Ort Altmannsdorf. Er wurde 1405 als „Altmarsdorf“ und 1424 als „Almstorff“ erwähnt. Diese Dörfer waren sehr klein, aber hatten ein reges Gemeinschaftsleben. Noch vor der Reformation müssen die Menschen ihre Behausungen verlassen haben. Stein und Altmannsdorf fielen wüst.

Teich in Wüstungsstein

Ursachen darin lagen wahrscheinlich in den kriegerischen Auseinandersetzungen des 15. Jahrhunderts. Dazu gehören die Hussitenüberfälle, die in der Gegend zwischen 1430 und 1436 schwere Zerstörungen anrichteten. Ebenso der Sächsische Bruderkrieg, der von 1456 bis 1461 dauerte und zwischen den Brüdern Herzog Wilhelm III. und Kurfürst Friedrich II. ausgetragen wurde. Unter den jahrelangen Streitigkeiten hatten große Gebiete in Thüringen und Sachsen zu leiden, an deren Ende die beiden Länder schließlich geteilt wurden.

Die Ortslage - mit Bäumen bewachsen

Stein und Altmannsdorf werden auch in der Neuzeit noch regelmäßig erwähnt. Letzteres wird 1548 als „wüst“ bezeichnet. Wahrscheinlich wurden die Häuser der Menschen durch kriegerische Einwirkungen zerstört und es lohnte nicht mehr, sie aufzubauen. Die Verbliebenen siedelten sich dann an einem anderen Ort neu an. Damals waren viele Bewohner einer Gegend miteinander verwandt und es war recht üblich, innerhalb der vertrauten Umgebung zu bleiben.

Teich in Wüstungsstein

Nach 1548 gehörte die Wüstung Stein zum Amt Colditz, wo sie bis zum Wechsel zur Amtshauptmannschaft Borna im Jahr 1875 verblieb. Die Fluren gehörten zu Heinersdorf und zeitweilig hatte auch das Rittergut Pomßen Anteil an den Ländereien. Ab 1834 wurden auf der Gemarkung Wüstungsstein einige Häuser neu gebaut. 1875 wurde Wüstungsstein ein Ortsteil von Heinersdorf und von Bad Lausick eingepfarrt. Von 1930 bis 2001 gehörte Wüstungsstein zur Kirchgemeinde Etzoldshain.

Vorne rechts wo die Bäume stehen, geht es rechts ab.

Heute erreicht man den Ort über die Staatsstraße 48 von Espenhain nach Heinersdorf. Wo die meisten Häuser stehen und ein kleiner Teich liegt, biegt ein Weg ab zu einer Kleingartenanlage. An deren Ende befindet sich die historische Ortslage. Sie wird begrenzt durch die Wüstungssteiner Straße im Norden, und den Hanggraben im Süden. Die Stelle an der sich das Dorf befunden haben muss, ist von dichtem Wald bewachsen. Wie so viele Dörfer sie auch hatten, gibt es hier mehrere Teiche. Sie bildeten die ideale Grundlage für das tägliche Überleben, sicherten die Trinkwasserversorgung und das Wasser zur Verrichtung des Haushaltes. Von der oberhalb entlang führenden Straße fällt der Hang kurz, aber relativ schroff zu den Teichen ab.

Viehweide in der Aue

Reste von Häusern sind bis heute nicht mehr erhalten. Man kann sich aber gut vorstellen, wie es hier früher einmal ausgesehen haben muss. Sicherlich gab es viele Bauernhöfe, und in der südlich angrenzenden Aue konnten die Bewohner ihr Vieh weiden lassen. Möglicherweise gab es auch eine Kirche oder wenigstens eine Kapelle. Große Teile des Gebietes können auf einem kleinen Weg durchwandert werden, und man kann auch eine Rast an einem der Seen machen. Wo der Wald wieder aufhört, führt ein Pfad hinauf zur Landstraße.
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Meuschendorf


In der Umgebung von Heuersdorf, das 2008/09 zerstört und abgebaggert wurde, lag bis zum 15. Jahrhundert der Ort Meuschendorf. Er gehörte zu einer Burg und später zum Amt Borna. Meuschendorf wurde 1105 erstmals als „villa“ in den Pegauer Annalen bezeichnet. Vor Jahrmillionen verlief hier ein Urlauf der Pleiße. Im Untergrund fand man ausgedehnte Schotterstreifen.

Die Fluren von Meuschendorf

1121 wird hier ein „Muschinstorf“ als „Dorf mit angrenzendem Wald“ erwähnt, das vom Bischof Dietrich von Naumburg dem Benediktinerkloster Posa (Bosau) bei Zeitz zum Besitz überschrieben wird. 1145 tauschte das Kloster den Ort Meuschendorf zusammen mit Nitzschendorf und Piegel wieder ein. Otto von Rothowe, heute Rötha, erhielt sie gegen den Ort Golben bei Zeitz. Meuschendorf gehörte kirchlich zu Breunsdorf, und wurde noch 1424 als „Moschendorf“ erwähnt. Im Jahre 1430 wurde Altenburg von aus Böhmen stammenden Hussiten überfallen. Die Kriege dauerten mehrere Jahre, und in deren Verlauf wurde auch Meuschendorf zerstört.

Blick in den Tagebau zur ehemaligen Ortslage

1590 wird Meuschendorf als Wüstung genannt. Um 1800 nutzte man die in der Nähe von Breunsdorf gelegenen Maschendorfer Felder. 1863 umfasste die Grundfläche der Wüstung 12 Hufen was 12 bäuerlichen Besitzungen entspricht, und war zwischen Ramsdorf und Schleenhain aufgeteilt. 1986 wurde die Gemarkung vom Tagebau Schleenhain abgebaggert und später teilweise rekultiviert. Breunsdorf wurde 1994 ebenfalls abgebaggert, bis auf wenige Häuser entlang der Bahnstrecke.
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Heuersdorf


Heuersdorf war ein sehr alter Ort in der Leipziger Tieflandsbucht in der Umgebung von Borna. Die Kirche in Heuersdorf wurde im Jahre 1297 erwähnt. Es handelt sich um die berühmte Emmauskirche, die heute in Borna gegenüber der Stadtkirche steht. Bis 2009 wurden alle Häuser abgerissen. Die Gemarkungsfläche wurde vom Tagebau Schleenhain abgebaggert.

Heuersdorf im Herbst 2008

1430 wurde Altenburg von den Hussiten überfallen und die Truppen richteten in der Gegend schwere Verwüstungen an. Von 1456 bis 1461 kämpften die Truppen des Herzog Wilhelm III. und Kurfürst Friedrich II. gegeneinander, um den Besitz der wettinischen Lande. Im Laufe dieser Auseinandersetzungen wurde auch der Nachbarort Meuschendorf zerstört, welcher bereits im Jahre 1105 in den Pegauer Annalen erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Landschaft im Westen von Heuersdorf

Im Jahre 1487 wurde Heuersdorf als „Heyersdorf“ erstmals erwähnt. Eine andere Schreibvariante von 1494 ist „Heynersdorff“. Bis zum Jahre 1497 gehörte es zur Herrschaft Schönburg. Die darin liegenden Besitztümer unterstanden einem mächtigen Adelsgeschlecht. Ihr Gebiet befand sich zum Großteil in den heutigen Landkreisen Mittelsachsen und Zwickau. Danach wechselte Heuersdorf zum Amt Borna und blieb dort bis zur Auflösung des gleichnamigen Landkreises nach dem Ende der DDR.

Dorfstraße in Heuersdorf

Heuersdorf war bis zu seiner Zerstörung ein typisches Gassendorf.  In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl auf über 200 und nach der Jahrhundertwende noch etwas weiter. 1935 wurde das benachbarte Großhermsdorf nach Heuersdorf eingemeindet. Die neue Gemeinde hatte damals rund 500 Einwohner. Nach der Wende ging die Einwohnerzahl von 347 im Jahre 1990 wieder leicht zurück, auf 303 Menschen zum 31. März 1997.

Der Gasthof von Heuersdorf

Kirchlich gehörte Heuersdorf schon seit jeher zu Breunsdorf. Das blieb auch nach der Reformation so. Die Kirche von Breunsdorf gibt es heute ebenfalls nicht mehr, weil der Ort bereits im Jahre 1994 abgebaggert wurde. Von 1920 bis 1926 war Heuersdorf vorübergehend zu Großhermsdorf eingepfarrt. Seit 2001 war es Teil der Kirchengemeinde Lobstädt.

Inri in der Emmauskirche

Die beiden Orte wuchsen zusammen, nicht nur baulich, sondern auch die Bewohner. Sie hatten gemeinsame Vereine, die Kinder gingen in eine gemeinsame Schule und es herrschte ein ländliches Flair. Hier gab es viele Bauernhöfe, meist als Fachwerkbauten angelegt und später unter Denkmalschutz stehend. Das Dorf war offen, und so gesellten sich im 20. Jahrhundert zahlreiche Neubürger hinzu.

Straße nach Heuersdorf

Um 1900 gab es in der Umgebung von Heuersdorf einen Bergbau in kleinerem Umfang. Ab 1949 wurde im Tagebau Schleenhain Braunkohle gefördert. Damals wollte man noch kein Geld in die Entwicklung von alternativen Energien wie Solar-, Wind- und Wasserkraft stecken. Braunkohletagebauten sind eine besonders fatale und zerstörerische Art, sich an der Umwelt zu rächen. Großflächig wird das Land mit Flora, Erdboden und Gestein abgebaggert. So entsteht ein riesiges Loch und die Kohle wird abgetragen. In der Zeit der DDR wurde keine Rücksicht auf das genommen, was sich auf diesem Land befand. Egal ob riesige Wälder, Flussauen oder verträumte Dörfer, alles wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Die Flussaue der Urpleiße bei Heuersdorf hatte sich vor Jahrmillionen auf natürliche Art gebildet. Sie fiel ebenfalls dem Bagger zum Opfer.

Die Menschen, die seit vielen Generationen auf diesem Land siedelten, hatten nichts zu sagen und wurden oftmals einfach enteignet. Sie mussten sich woanders eine neue Heimat suchen. Am Rand von Städten entstanden für sie Wohnkomplexe in Plattenbauweise, die mitnichten mit dem vorherigen Leben zu vergleichen waren, das diese Menschen führten. Ein Beispiel dafür ist die Großwohnsiedlung Grünau bei Leipzig. Die Wohnungen waren für DDR-Verhältnisse modern ausgestattet und beheizt. Die Infrastruktur war gut, aber mit den Jahren verlor sich die Gemeinschaft, weil immer mehr Menschen einfach wegzogen.

Heuersdorfer Straße in Großhermsdorf

Der Tagebau Schleenhain forderte seine Opfer: Es wurden unter anderem das gleichnamige Dorf sowie Droßdorf, Breunsdorf und Zöllsdorf überbaggert. Eine riesige Bandanlage befördert bis heute die Braunkohle in das Kraftwerk Böhlen-Lippendorf, wo der Rauch aus kolossalen Schornsteinen aufsteigt und bis weit über Leipzig hinaus sichtbar ist.

Schaufenster: "700 Jahre Heuersdorf - Tagebau ist Heimatklau"

Mit Auflösung der DDR änderte sich die Situation für Heuersdorf zunächst recht positiv. Denn die Regierung von Sachsen ließ 1993 mitteilen, dass der Ort Heuersdorf erhalten bleibt. In der heutigen Zeit kein Problem mehr, denn entweder hätte Heuersdorf umbaggert werden können, oder man hätte gleich auf den weiteren Abbau verzichtet und direkt auf umweltfreundliche Energien umgestellt.

Am Ortseingang von Heuersdorf

1995 wurde der so genannte „Heuersdorf-Vertrag“ verabschiedet, der die Umsiedlung der Bewohner von Heuersdorf und Großhermsdorf und die Abbaggerung des Gebietes zum Inhalt hatte. Vom 1. Januar 1999 bis 1. Oktober 2000 gehörte die Gemeinde Heuersdorf vorübergehend zu Regis-Breitingen. Zum 1. Oktober 2004 wurde Heuersdorf erneut ein Teil von Regis-Breitingen. Um ihre Heimat nicht verlassen zu müssen, organisierten die Bewohner zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen auf denen bekannte Künstler sprachen.

Heuersdorfer Emmauskirche in Borna, November 2008

Im Mai 2006 wurden die ersten Häuser in Heuersdorf abgerissen. Im Oktober 2007 wurde die berühmte Emmauskirche unter großem Aufsehen nach Borna umgesetzt. Sie wurde in der Altstadt gegenüber der Stadtkirche aufgestellt und kann dort besichtigt werden. Für die Bewohner gab es ein Angebot, in neue Häuser in das Wohngebiet „Am Wäldchen“ in Regis-Breitingen zu ziehen. Viele Heuersdorfer nahmen dieses Angebot wahr.

Heuersdorf nach dem Abriss der Häuser

Bis 2008 waren alle Häuser des alten Ortsteils Heuersdorf abgerissen, und man konnte über große Erd- und Schuttmassen die Türme des Kraftwerks Lippendorf sehen. Nur Großhermsdorf mit der Taborkirche stand noch. Am 23. November 2008 fand hier der letzte Gottesdienst statt, da am Tag darauf die Kirche entweiht werden sollte. Der umgebende Friedhof wurde im Laufe des Jahres 2008 geräumt und diente 2009 einem Archäologenteam, um eventuelle Funde noch zu sichern.

Archäologische Ausgrabungen vor der Großhermsdorfer Kirche

Wieso konnte niemand verstehen, dass es hier nicht um bloße Sachwerte geht? Die Dörfer, die Wälder, das schöne Land mit all den Geschichten, die damit verbunden sind, können nie wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Was davon übrig bleibt, kann nur im Gedächtnis der Menschen weiterleben.
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Großhermsdorf


Großhermsdorf wurde 1378 als Gros Hermannsdorff erstmals erwähnt. Es unterstand einer Burg Borna und später dem Amt und Landkreis, wozu der Ort noch bis zur Auflösung des Landkreis Borna im Jahr 1994 gehörte. Im 15. Jahrhundert ist von einem „Hermsdorff“ die Rede, und bei diesem Namen blieb es fortan.

Taborkirche Großhermsdorf

Die Taborkirche soll im 13. Jahrhundert erbaut worden sein. Sie war Pfarrkirche und wurde im 16. Jahrhundert nach der lutherischen Ausrichtung reformiert. Um sie herum lag ein stattlicher Friedhof. 1866 wurde die Kirche durch den Leipziger Architekten Ernst Wilhelm Zocher neu errichtet. 1920 bis 1926 war Heuersdorf nach Großhermsdorf eingepfarrt. 1925 hatte Großhermsdorf 225 evangelische und 31 katholische Einwohner. 1926 kamen Heuersdorf und Großhermsdorf zur Kirchgemeinde Breunsdorf.

Innenraum der Taborkirche

Im Ort gab es ein bedeutendes Rittergut, das viel Besitz in der Umgebung hatte. Es hatte die Herrschaft über Röthgen bei Deutzen und Hartmannsdorf bei Görnitz, alle im ehemaligen Landkreis Borna. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts kletterte die Einwohnerzahl auf über 200. Um 1900 kamen Tagebauarbeiter in die Gegend und siedelten auch in Großhermsdorf. 1935 wurde der Ort nach Heuersdorf eingemeindet. Die neue Gemeinde hatte fortan rund 500 Einwohner.

Rittergut Großhermsdorf, Straßenseite

Nach dem Krieg zogen auch Heimatvertriebene hinzu. 1949 wurde begonnen, im Tagebau Schleenhain Braunkohle abzubauen. Während der DDR-Zeit wurde hier ein riesiges Gebiet überbaggert. Großhermsdorf verlor damit immer mehr Land an den Tagebau. Heuersdorf wurde zur Sackgasse. Nach der Wende von 1989 wollte man von der Braunkohle abrücken. 1993 versprach die damalige Regierung von Sachsen, die beiden Orte Heuersdorf und Großhermsdorf zu erhalten.

Rittergut Großhermsdorf, Innenhof

Doch 1995 folgte der so genannte „Heuersdorf-Vertrag“, der das Ziel hatte, die Menschen umzusiedeln und die beiden Orte abzubaggern. Im Jahr 1999 kam die Gemeinde Heuersdorf vorübergehend zu Regis-Breitingen und wurde Anfang 2000 wieder unabhängig. Am 1. Oktober 2004 wurde Heuersdorf ein zweites Mal nach Regis-Breitingen eingemeindet. Im Mai 2006 begann man mit dem Abbruch erster Gebäude in Heuersdorf. Für die Bewohner wurden in Regis-Breitingen neue Häuser gebaut. 2007 erfolgte die Umsetzung der Emmauskirche nach Borna.

Tafel mit dem neuen Wohngebiet

Bis 2008 waren alle Häuser des Ortsteils Heuersdorf abgerissen, nur Großhermsdorf mit der Taborkirche stand noch. Am 23. November 2008 fand hier der letzte Gottesdienst statt, da am Tag darauf die Kirche entweiht werden sollte. Der umgebende Friedhof wurde im Laufe des Jahres 2008 geräumt und diente 2009 einem Archäologenteam, um die Hinterlassenschaften der früheren Dorfbewohner zu sichern. Dabei wurden hunderte Jahre alte Skelette und diverse Grabbeigaben gefunden.

Ortsschild

War Großhermsdorf im Herbst 2008 noch in einem ausgezeichneten Zustand, zeichnete sich im Jahr darauf ein erschütterndes Bild ab: Die Ortsschilder waren abmontiert, Häuser waren verlassen und die Fensterscheiben eingeworfen. Die meisten Gebäude waren inzwischen abgerissen. Wenn man von Großhermsdorf nach Heuersdorf blickte, tat sich eine Wüstenei auf. Große Schutthalden allerorts, dazwischen aufgerissene Kellerräume und undefinierbare Schneisen wo mal Straßen waren.

Blick von Großhermsdorf nach Heuersdorf, 2009

Ein grausames Bild, kein Stein mehr auf dem anderen, keine Ruine mehr, nicht mal eine Landschaft mit Wiesen und Bäumen, so wie es sie früher mal gab. Im Frühjahr 2009 standen noch ein paar der alten Bauerngehöfte. Mehr als 40 Gebäude waren denkmalgeschützt, auch darauf nahm man keine Rücksicht. Heuersdorf mit Großhermsdorf war ein Beispiel für den ländlichen Raum um Borna und auch architektonisch mit seinem Fachwerk sehr interessant. Nun mussten fast ausnahmslos alle Bewohner ihre Heimat verlassen und ihr Haus, ihre gewohnte Umgebung zurücklassen.

Herrlicher Bauerngarten im Frühjahr 2009

Die Menschen, die das Dorf verlassen mussten, können einem leid tun. Wer weiß, wie lange ihre Vorfahren schon an diesem Platz lebten und glücklich waren. Jetzt ist es vorbei, und das nur weil noch keine Anstrengungen für alternative Energieformen unternommen wurden und niemand Verständnis für die Bewohner hatte. Heuersdorf und Großhermsdorf hätten erhalten werden können. Aber jetzt kann man nicht mehr viel machen.

Fachwerkpracht, die es nicht mehr gibt

Das Land wird nie wieder das selbe sein, kann nie wieder so betrachtet und besucht werden, wie es mal war. Auch die Umgebung verändert sich, denn es fehlt einfach was. Das Leben geht nun woanders weiter, und die Heuersdorfer und Großhermsdorfer sollen den Kontakt nicht abreißen lassen. Den ehemaligen Bewohnern bleiben die Erinnerungen an ein Leben in zwei untergegangenen Dörfern.

Großhermsdorf

Auf dem Friedhof in Breitingen befindet sich heute ein Gedenkstein zu Ehren der Verstorbenen, die 2006 von Heuersdorf und 2008 von Großhermsdorf umgebettet wurden.


In der neuen Wohnsiedlung für die Heuersdorfer in Breitingen wurde die Turmspitze der Taborkirche auf ein kleines Haus gestellt. Sie wurde 2010 von der Kirche entfernt. Am 30. November 2013 erfolgte die Einweihung des Erinnerungsortes.

Auf einer Tafel erfährt der Besucher einige Details, nebst einer Ansicht und Bauplänen der alten Kirche.


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Peres

Peres war ein altes Dorf zwischen Leipzig und Borna. Die Ersterwähnung reicht in die Zeit um 1100. Markgraf Otto von Meißen nannte 1156 in einer Siedlungsurkunde zur Stadt Leipzig einen Albertus de Pores. Der Ort war relativ klein und die meisten Menschen lebten von der Landwirtschaft.

Rittergut und Schloss Peres. Lithographie von Gustav Adolph Poenicke, 1854.

Es gab hier ein Rittergut mit eigenem Patrimonialgericht und Lokalverwaltung. Besitzer waren die Herren von Peres und später auch andere Familien. Zum Herrschaftsgebiet gehörten neben Peres zeitweise auch die Nachbardörfer Pulgar und Teile von Piegel. Die Herren von Peres besaßen bis 1640 zudem das Rittergut Audigast.

Gasthof zu Peres um 1905, August Olbrich

Peres gehörte kirchlich zu Pulgar und blieb dort bis zuletzt. Piegel war dagegen nach Pödelwitz eingepfarrt. Peres befand sich im Amt Pegau. 1834 hatte es rund 200 Einwohner. 1852 wurde die Gerichtsbarkeit dem Justizamt Pegau übergeben. 1875 wurde Peres der Amtshauptmannschaft Borna und später dem Landkreis zugeordnet.

Straße von Pulgar nach Peres heute

Nach dem Krieg kam der Nachbarort Piegel zu Peres, und 1961 bildete es mit Pulgar eine Doppelgemeinde. Die verheerende Industriepolitik der DDR machte der jahrhundertelangen Geschichte dieser Gegend jedoch bald ein Ende. Bis 1975 wurde Pulgar entvölkert und die Häuser abgerissen. Die Ortslage wurde mit einem Chemiewerk überbaut. Die Bewohner von Peres mussten ihr Dorf bis 1983 verlassen. Die Gemarkung wurde für Zwecke der Braunkohleförderung abgebaggert.

Ehemalige Ortslage

Während des Krieges gab es am Rand von Peres ein Arbeitslager für niederländische Zwangsarbeiter. Ihnen zu Ehren wurde eine Gedenkstätte in Pulgar errichtet. Als der Ort abgerissen wurde, konnte diese erhalten bleiben. Hier befinden sich Denkmäler für Gefangene und Zwangsarbeiter aus den Niederlanden, Italien und der Sowjetunion. Auf Tafeln sind die Namen der Opfer zu lesen.

Gedenkstein in Medewitzsch

Für die abgebaggerten Dörfer Piegel, Peres und Pulgar wurden zwei Gedenksteine aufgestellt. Einer gleich neben dem Chemiewerk am Kreisel von der Staatsstraße her kommend, an der alten Ortslage von Pulgar. Ein weiterer befindet sich in Lippendorf (früher Medewitzsch), etwa mittig auf einem Stück Wiese neben der Hauptstraße.
 
Peres auf einer Landkarte von 1750
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Pulgar

Das Dorf Pulgar war zwischen Zwenkau und Böhlen im Landkreis Leipzig gelegen. Es lag an der alten Salzstraße von Leipzig über Zwenkau, Pulgar und Lobstädt ins Erzgebirge und wurde 1155 erstmals erwähnt.

Alte Ortslage von Pulgar

Kirchlich gehörte es zu Zwenkau und hatte 1548 21 Einwohner. Bis ins 16. Jahrhundert wurde es als Bulgern genannt. Während der Reformation wurden die Menschen in Pulgar evangelisch-lutherisch und erhielten das zwei Kilometer entfernte Nachbardorf Peres eingepfarrt. Sie lebten von der Landwirtschaft und verließen selten ihre angestammte Umgebung. 1606 übernahm das Rittergut Peres die Grundherrschaft. 1773 bekam Pulgar eine neue Kirche.

Gedenkstein im ehemaligen Pulgar

1810 gründete Johann Christoph Bauriegel aus der Nähe von Borna ein Privatseminar für Lehrer in Pulgar, wo er bis 1841 fast 70 Stunden pro Woche unterrichtete. Ab 1880 gehörte Pulgar kirchlich zu Medewitzsch. Trotz der Aufschließung der Tagebaue in der Umgebung des Dorfes blieb die Bevölkerungszahl lange konstant. Während des Krieges befanden sich zwei Lager für Gefangene und Zwangsarbeiter in der Nähe von Pulgar. Viele starben und wurden in Pulgar beerdigt.

Gedenkstätte für Gefangene und Zwangsarbeiter

Seit 1961 war der Ort mit Peres zu einer Doppelgemeinde Peres-Pulgar vereinigt. Bis 1975 wurde Pulgar zerstört und die ehemalige Ortslage zum Teil mit einem Chemiewerk überbaut. Peres wurde 1983 zerstört und von einem Tagebau überbaggert. Das Gemeindegebiet gehört heute zu Neukieritzsch. Einzig erhalten geblieben ist die Gedenkstätte für Gefangene und Zwangsarbeiter. Sie wurde nach dem Ende der DDR umgestaltet. Sie befindet sich an der Staatsstraße 71 von Zwenkau in Richtung Neukieritzsch, im Eingangsbereich zum Chemiewerk hinter dem Kreisel. Die Denkmäler und Gedenktafeln erinnern an die Opfer aus den Niederlanden, Italien und der Sowjetunion.

Gedenkstein in Medewitzsch

Auf Bänken unter hohen Bäumen kann man für einen Moment Rast machen. Gegenüber von diesem Ort wurde ein Gedenkstein für Piegel, Peres und Pulgar aufgestellt. Die Plakette trägt die Aufschrift: "Unvergessene Heimat". Einen ähnlichen Gedenkstein gibt es in dem Dörfchen Medewitzsch, das heute den Namen Lippendorf anstelle eines ebenfalls zerstörten Ortes trägt. Dieser Gedenkstein befindet sich neben der Straße auf einem Stück Wiese, wo ein asphaltierter Weg zum Tagebau abzweigt.
 
Pulgar auf einer Landkarte von 1895
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