Suchfeld

Erinnerung an das abgebaggerte Dorf Eythra

 Eythra auf einer Landkarte von 1907

Eythra war ein Dorf in der Umgebung von Leipzig. Erste Keramikfunde reichten bis in die Zeit um 5500 v. Chr. Unter Eythra befanden sich riesige versteinerte Wälder aus dem Urmeer. Der Ort entwickelte sich rund um ein Rittergut, das seit 1334 der Familie von Pflugk gehörte. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ etliche Schäden und so mussten diese es danach an die Familie von Werthern abgeben. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand hier ein barockes Schloss mit einem Garten und einer Lindenallee.

Das Schloss Eythra nach G. Täubert 1837

Früher hatte Eythra teils über 3000 Einwohner. Es besaß eine Pfarrkirche und einen Bahnhof an der Strecke von Leipzig nach Gera. Die meisten Menschen waren evangelisch. Es gab aber auch einige Katholiken. Das benachbarte Bösdorf gehörte kirchlich seit Jahrhunderten zu Eythra. Um 1900 wurden einige Kohlegebiete aufgeschlossen und es kamen über 800 neue Einwohner hinzu. 1928 wurde die Kirche Knautnaundorf der örtlichen Gemeinde unterstellt.

Kirchplatz in Eythra um 1930

Nach dem Krieg vergrößerte sich der Ort durch den Zuzug von Heimatvertriebenen. Für neue Familien entstanden Ein- und Mehrfamilienhäuser am Rande von Eythra. Ab 1974 war Bösdorf auch verwaltungsmäßig Teil der Gemeinde. Ab 1980 wurden beide Orte nach und nach von der Braunkohletagebaugesellschaft entvölkert. Noch vor dem Ende der DDR hatten die Bewohner ihre Dörfer verlassen. Eythra und Bösdorf wurden zerstört und das Gelände abgebaggert. Die übrig gebliebenen Flächen wurden auf die Orte der Umgebung aufgeteilt.

Das ehemalige Gebiet von Eythra im Februar 2009

Tatsächlich wurden große Teile des Eythraer Gemeindegebiets noch nach 1990 abgebaggert. Durch Protestmärsche von Einwohnern der Umgebung wurde der Tagebau Zwenkau schließlich gestoppt. Den Standort von Eythra überdeckt heute der Zwenkauer See. Besucher können sich einen Gedenkstein am Seeufer anschauen sowie die alte Lindenallee vom Schloss. Sie führt zu einem Tempel der erst 2002 wieder errichtet wurde und "Trianon" genannt wird.

 Tempel am Ende der Lindenallee

Beliebte Beiträge