Suchfeld

Wiprecht von Groitzsch

Als bekannteste Persönlichkeit der Städte Groitzsch und Pegau gilt Graf Wiprecht. Er stammte aus der Altmark und tauschte um 1070 mit Udo II. seine geerbten Besitzungen im Balsamland gegen die Burg Groitzsch mit ihren Ländereien. Wiprechts Großvater war Wulf, der Slawe gewesen sein soll. Sein Vater hieß ebenfalls Wiprecht und war mit Sigena von der Leye (Leinungen) verheiratet. Ihr Vater war Graf Goswin.

Die Reste der Wiprechtsburg

Wiprecht von Groitzsch heiratete in erster Ehe Judith von Böhmen und bekam mit ihr die Kinder Wiprecht den Jüngeren, Heinrich und Bertha. Seine zweite Ehegattin wurde Kunigunde von Orlamünde. Sie war sehr adeliger Herkunft. Ihre Mutter war Adela von Brabant, ihr erster Gatte Jaroslaw von Russland, der zweite Kuno von Beichlingen. Die Ehe mit ihr blieb kinderlos, aber Wiprecht verheiratete seinen gleichnamigen Sohn mit Kunigundes Tochter, die ebenfalls Kunigunde hieß. Sohn Heinrich heiratete die Gräfin von Gleisberg, und Bertha von Groitzsch nach einer kurzen ersten Ehe den Dedo IV. aus der berühmten Wettiner Linie. Zahlreiche deutsche und europäische Königshäuser sind damit mit ihr verwandt. Aus der Ehe ging Tochter Mechthild (Mathilde) hervor, die wiederum Graf Rabodo von Abenberg, den Stiftsvogt zu Bamberg heiratete. Dedo IV. Bruder war Konrad von Wettin, Markgraf von Meißen.

Grabmal von Graf Wiprecht in der Pegauer Laurentiuskirche

Wiprecht von Groitzsch focht bedeutende Schlachten aus. Im Januar 1080 stand er dem Kaiser bei Flarchheim in Thüringen gegen die Schwaben bei, im Oktober desselben Jahres bei Hohenmölsen. Wenig später nahm er an einem Heeresmarsch nach Italien teil. Sein Territorium verteidigte er mit energischem Willen und eroberte im Laufe der Zeit die weiter südlich gelegenen Gebiete. 1096 stiftete Wiprecht der Stadt Pegau das Kloster St. Jacob, das bis zur Reformation im 16. Jahrhundert existierte. Seine Intention war es, die Christianisierung im vormals slawischen Osterland voranzutreiben.

 Das historische Pegau

1106 bekam Wiprecht nach dem Tode Udos II. dessen Grafentitel zurück. Am 17. Dezember 1108 starb seine Gattin Judith auf Gut Bautzen. Die Beisetzung fand in Pegau statt. 1109 erfolgte die zweite Hochzeit mit Kunigunde von Orlamünde. 1113 verbündete Wiprecht sich mit Pfalzgraf Siegfried von Orlamünde und Ludwig zu Warnstädt gegen den Kaiser, und wurde daraufhin zur Todesstrafe verurteilt. Seine Söhne konnten das Urteil jedoch mildern, und übergaben dem Kaiser die Burg Groitzsch und alle dazugehörigen Besitzungen. Daraufhin wurde Wiprecht drei Jahre auf der Reichsfestung Trifels am Rhein gefangen genommen. Während dessen starb sein Sohn Wiprecht der Jüngere. Nach Wiprechts Freilassung erhielt er sein Eigentum wieder zurück und schloss Frieden mit dem Kaiser.

 Die schöne Gegend um Groitzsch und Pegau-
einst im Besitz des Grafen Wiprecht

1124 wurde er bei einem Feuer, das ihn im Schlaf überraschte, verletzt, und ließ sich nach Groitzsch bringen. Nachdem er noch einmal das Kloster Pegau besucht hatte, starb Wiprecht am 22. Mai 1124. Er wurde neben seiner Gattin Judith und seinem Sohn Wiprecht dem Jüngeren im Kloster bestattet. Heute befindet sich sein Grabmal in der vor 1190 eingeweihten Sankt-Laurentius-Kirche in Pegau. Es wurde mehrfach verändert und zeigt den Grafen in Lebensgröße. Das Gotteshaus ist damit auch ein wichtiger Pilgerort für Historiker und Heimatforscher. Besucher können beim anliegenden Pfarramt nach Einlass fragen.

 Grabmal von Graf Wiprecht, um 1240 entstanden

Wiprechts Burg blieb auch nach seinem Tod über viele Jahrhunderte hinweg gut erhalten. Rund um den Berg entwickelte sich das Städtchen Groitzsch. An den Hängen wurde Weinbau betrieben. Die Bewohner lebten als Bauern und vom Handwerk, im 19. und 20. Jahrhundert blühte die Schuhindustrie auf, zu deren Erfolg auch der Eisenbahnanschluss beitrug. Auf der Wiprechtsburg gab es eine beliebte Schankwirtschaft mit Biergarten. Während der DDR-Zeit wurde diese abgerissen, das Gelände archäologisch untersucht und auch große Teile der verbliebenen Burg abgetragen. Erhalten geblieben sind zwei Rundtürme, von denen einer noch über ein Eingangsportal verfügt. Rund um die Burgstelle wurde ein Freilichttheater angelegt. Darüber hinaus gibt es ein Lapidarium mit etwa 40 Flur- und Grenzsteinen. Bänke laden zum Verweilen ein.

 Gaststätte "Zur Wiprechtsburg" 1911

Und es gibt noch weitere Orte, die an Wiprecht erinnern. Einer der bekanntesten liegt im Dorf Eula bei Borna. Hier steht die Wiprechtkirche, die durch den Grafen erbaut worden sein soll. In Eula und Leipzig gibt es eine Wiprechtstraße. Das Groitzscher Wiprecht-Gymnasium trägt seinen Namen. Außerdem widmet sich eine Ausstellung im Groitzscher Heimatmuseum dem Grafen, der Burg und der dadurch begünstigten Entstehung der Stadt.

Im Inneren des Rundturms

Beliebte Beiträge