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Deutsche Zentralstelle für Genealogie

Die Geschichte der Zentralstelle beginnt 1904, als in Leipzig die „Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte“ gegründet wird. Ab 1967 gab es die „Zentralstelle für Genealogie in der DDR“ in den Räumen des Reichsgerichtsgebäudes. Seit 1990 besteht die „Deutsche Zentralstelle für Genealogie“, die ihren Sitz in der Schongauerstraße 1 in Leipzig-Paunsdorf hat. Dort bildet sie eine Abteilung des Sächsischen Staatsarchivs.

Die Zentralstelle hat es sich zur Aufgabe gemacht, genealogische Quellen zu sichern, aufzubewahren und zur Sichtung zur Verfügung zu stellen. Neben gedruckter Literatur gehören dazu auch unveröffentlichte Sammlungen wie Ahnenlisten, genealogische Arbeiten oder Abschriften aus alten Büchern. Zum Inventar gehören auch die Ahnenstammkartei des deutschen Volkes und der Gesamtkatalog der Personalschriften- und Leichenpredigtensammlungen. Im Lesesaal befindet sich eine alphabetisch geordnete Karteikartensammlung, die Auskunft über vorhandenes Material zu verschiedenen Familien gibt. Darüber hinaus sind natürlich alle Bände der Deutschen Geschlechterbücher (Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien), der Adelshandbücher und weitere Standardliteratur vorhanden. Das kann sehr hilfreich sein, da es diese Bände noch nicht mal in jeder Bibliothek gibt, und sie eine Fülle an Daten aus gesammelten Ahnenlisten enthalten. Wie jedes größere Werk, sind sie durch ein Namensregister erschlossen.

Für Forschungen äußerst wertvoll sind die Verfilmungen von Kirchenbüchern der deutschen Ostgebiete, die schon vor dem Krieg begonnen wurden. Außerdem finden sich hier auch Filme von Stadt-, Gerichts- und Steuerbüchern verschiedenster Herkunft. In den Bestandsverzeichnissen kann man nachschauen, ob zu einem konkreten Ort Materialien vorliegen. Verfilmungen existieren darüber hinaus von zahlreichen Melderegistern, Bürgerbüchern, amtlichen Unterlagen wie Heimatscheinen uvm. Die Gewichtung ist recht unterschiedlich, manche Städte wie Zwickau füllen ganze Seiten im Bestandsverzeichnis, von anderen Orten gibt es dagegen nur sehr wenig.

Stark fällt die Tatsache ins Gewicht, dass viele alte Bücher nach linken und rechten Seiten getrennt sind, und so eine durchgehende Sichtung nicht möglich ist. Die Bedienung der Lesegeräte ist für Ungeübte sehr gewöhnungsbedürftig. Die Mitarbeiter helfen zwar auf Nachfrage, aber man kommt sich schnell lästig vor, wenn man zu oft darum bitten muss. Alle Ausdrucke kosten eine Grundgebühr plus ein nicht zu geringes Entgelt pro Seite.

Schongauerstraße 1,
Sitz der Deutschen Zentralstelle für Genealogie

Der Deutschen Zentralstelle ist auch das Archiv der AMF (Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung) angegliedert. Der Verein hat dort Räume angemietet, die Vorbestellung muss deshalb auch getrennt vorgenommen werden. Die Einsichtnahme findet jedoch im Lesesaal des Sächsischen Staatsarchivs statt. Dieses Archiv enthält nochmals eine Fülle an genealogischem Material aus Mitteldeutschland. Von hohem Wert sind dabei die bisher unveröffentlichten Arbeitsergebnisse und Nachlässe von regionalen Forschern. Zusätzlich sind alle Ausgaben der AMF Schriftenreihe einsehbar. Die umfangreiche Bestandsliste hat der AMF als PDF-Dokument im Internet hinterlegt:

http://www.genealogy.net/vereine/...archivbestand.pdf

Benutzen können die Archive sowohl Privatpersonen als auch offizielle Stellen. Bevor man hierher kommt, sollte man sich informieren, ob die gewünschten Dokumente vorliegen. Das lässt sich zum Beispiel über die Onlinerecherche auf der Internetseite herausfinden:

http://www.archiv.sachsen.de/106.htm

Der ehemalige Leiter der Zentralstelle, Volkmar Weiss, hält auf seiner Seite einen Auszug der Bestände bereit. Hierzu gehören unter anderem personengeschichtliche Verfilmungen aus sächsischen Archiven am Standort Leipzig sowie Ortsfamilienbücher in Mitteleuropa und ihre Standorte (Leipzig ist in dieser Liste mit L gekennzeichnet):

http://www.v-weiss.de

Die Deutsche Zentralstelle hat auch mehrere Bestandsverzeichnisse herausgegeben, die in gedruckter Form vorliegen und über die Fernleihe bestellt werden können.

Bei Weitem nicht alle Bestände sind im Internet gelistet. Für weitere Informationen kann man direkt an die Zentralstelle schreiben oder einfach anrufen. Die Kontaktdaten sind dieser Seite entnehmbar:

http://wiki-de.genealogy.net/Deutsche...Genealogie

Bis auf wenige, müssen alle Materialien vorbestellt werden, am besten ein paar Tage im voraus. Auch vor Ort lässt sich noch bis 13 Uhr nachbestellen.

Es handelt sich um eine Präsenzbibliothek, das heißt, alle Materialien dürfen nur vor Ort eingesehen und nicht mit nach Hause genommen werden. Beim ersten Besuch, oder für jedes angebrochene Jahr, ist ein Benutzerformular am hauseigenen PC auszufüllen und zu unterschreiben. Die Benutzung ist kostenlos. Für das Archiv der AMF gibt es eigenes Formular. Die Mitarbeiter helfen bei Problemen gerne weiter, geben Auskunft über den Bestand und können auch mal behilflich sein, wenn es um das Lesen der alten Schrift geht.

Gesamtansicht

Zum Archiv muss man einige Treppen hinaufgehen und kommt durch eine Glastür in ein Atrium. Rechts neben dem Eingang gibt es Schließfächer, wo man alle privaten Dinge wie Rucksäcke verstauen kann. Direkt daneben befindet sich der Lesesaal für die Mikrofilme. Im Atrium kann der Besucher einige Kostbarkeiten bewundern. In einem dahinter liegenden Raum finden auch kleine Ausstellungen statt. Von hier führt ein Flur zu den Toiletten, die stets sauber und gepflegt waren. Nicht zu verfehlen ist der Zugang zum Empfangsbereich. Von diesem Bereich zweigt ein Arbeitsraum ab, wo die Bücher mit den Bestandslisten stehen.

Für die Einsichtnahme in normale Archivalien steht ein geräumiger Lesesaal bereit, der durch eine Glastür von der Rezeption getrennt liegt. Hier befinden sich in einer Ecke eine kleine Bibliothek und die Karteikartensammlung für Familiengeschichten. Im Lesesaal gibt es mehrere Anordnungen von Tischen, es herrscht eine angenehme Ruhe, die entspanntes Arbeiten ermöglicht. Für Laptops sind Anschlüsse vorhanden. Nochmals vom Saal getrennt sind mehrere kleine Räume mit PCs.

Das Fotografieren ist nicht erlaubt. Kopien und Ausdrucke jeglicher Art sind kostenpflichtig. Die Gebühren setzen sich aus einer Grundpauschale und einem Preis für jede einzelne Seite zusammen. Dabei sollte man sich überlegen, ob es sich wegen ein oder zwei Seiten lohnt, den Grundbetrag zu bezahlen. Wenn es wenig war, habe ich die Seiten dann lieber abgeschrieben. An der Rezeption kann man auch einige genealogische Literatur käuflich erwerben, unter anderem die Bestandsverzeichnisse.

Aufgrund der wenigen Mitarbeiter und der Fülle des Materials, das größtenteils völlig unerschlossen ist, sind Rechercheanfragen schwierig. Man sollte einkalkulieren, dass für Suchen mit größerem Arbeitsaufwand eine Gebühr berechnet wird, und diese bei einer schriftlichen Anfrage vorher festlegen. Nach wie vor ist es am besten, persönlich vorbeizukommen und sich den Bestand selbst zu erschließen. Bei einer Suche ist es ganz normal, immer noch das eine oder andere zu entdecken. Praktisch ist es dann, wenn man gleich an der richtigen Stelle sitzt, um weitere Verknüpfungen zu finden.

Alles in allem ist die Deutsche Zentralstelle für Genealogie schon eine empfehlenswerte Einrichtung. Eine Fundgrube für Ahnenforscher, die Zeit haben und in der Lage sind, sich durch die Fülle an Material zu wühlen. Etwas umständlich ist im wahrsten Sinne die Orientierung in den Beständen. Denn zuerst sollte man konkret wissen, wonach man sucht, und dann wo man es findet. Ganz hilfreich ist, dass es Bestandsverzeichnisse in gedruckter Form gibt. Ich habe es immer so gehalten, dass ich zunächst im Internet recherchiert und dann direkt angerufen habe. Wer in der Umgebung von Leipzig wohnt, sollte unbedingt von dieser Einrichtung Gebrauch machen. Auch aufgrund der Tatsache, dass Leipzig verkehrstechnisch gut angebunden ist, sollte man eine weitere Anreise nicht scheuen. In diesem Fall ist es aber unbedingt nötig, vorher genau nachzufragen, ob die gesuchten Materialien vorhanden sind und diese ausdrücklich auf ein bestimmtes Datum zu bestellen.

Paunsdorf-Center
Von der Straßenbahnhaltestelle aus gesehen

Die Anreise zur Schongauerstraße 1 erfolgt mit dem Auto über die A 9 Nürnberg-Leipzig-Berlin, aus Richtung Süden A 38 Richtung Dresden und um Leipzig herum bis zum Dreieck Parthenaue. Dann auf A 14 Richtung Magdeburg und die Ausfahrt 26 Leipzig-Ost nehmen. Aus Richtung Norden von der A 9 auf die A 14 Richtung Dresden bis Ausfahrt 26 Leipzig-Ost. Auf die B 6 Richtung Leipzig-Engelsdorf, kurz danach Kreuzung mit der Paunsdorfer Allee und bis zur nächsten Abzweigung Schongauerstraße fahren. Links abbiegen, hier befindet sich der große Parkplatz des Paunsdorf-Center (Parkmöglichkeit).

Mit der Bahn einfach bis Leipzig Hauptbahnhof fahren, zum Haupteingang hinausgehen. Dort fahren die Straßenbahnen in alle Richtungen ab. Nehmen Sie die 3 oder die 7 Richtung Sommerfeld. Tickets sind an Automaten auf den Bahnsteigen oder in den Straßenbahnen erhältlich. Die Fahrtzeit beträgt etwa 25 Minuten bis zur Haltestelle Paunsdorf-Center, das ist zugleich die vorletzte Haltestelle. Von dort können Sie kurz durch das Einkaufszentrum laufen, dann an diesem bzw. dem Parkplatz entlang und überqueren die Schongauerstraße. Somit stehen Sie direkt vor dem Gebäudekomplex, in dem sich die Zentralstelle befindet.

Wahlweise können Sie natürlich auch gleich mit der Bahn anreisen. Sie steigen in diesem Fall einfach am Leipziger Hauptbahnhof in eine Regionalbahn und fahren bis (Leipzig-) Engelsdorf. Sie befinden sich dann am Paunsdorf-Center und müssen nur noch eine kurze Strecke bis zur Schongauerstraße laufen. Verbindungen sind hier ersichtlich:

http://www.bahn.de (Deutsche Bahn)

http://www.lvb.de (Leipziger Verkehrsbetriebe)

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