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Leipzig im Jahre 1729


In einer Beschreibung von Leipzig aus dem Jahre 1729 heißt es:

"Leipzig, lat. Lipsia, eine nicht allzu grosse, aber eine der schönsten Städte in Teutschland, welche jährlich drey Weltberühmte Messen hält ; Als aufs neue Jahr, Ostern und Michaelis. Sie lieget gleichsam an dreyen Flüssen, welche vorbey streichen, die Pleisse, lat. Plissa, die Elster, lat. Elyster, und die Bar, lat. Bara. Anno 1409. ist hier eine Universität von Churfürst Friderico Bellicoso, auffgerichtet worden, welche sich von der damahls ruinirten Pragischen Universität alsobald erhohlet. Die Stadt hat um und um einen sandigten Boden, grosse Vorstädte. Sie hat etliche Pasteyen, Brustwehr, Graben, und das in dreyeckter Form gebauete feste Schloß, die Pleissenburg genannt, welche durch einen Graben von der Stadt abgesondert wird. Gleich im Anfang des Schwedischen Einfals 1706. muste sich die Stadt und Festung an den König in Schweden ergeben.

Unter den 6. Academischen Collegiis, ist das Paulinum das vornehmste, dabey die Bibliotheck, und Pauliner-Kirche, nebst dem Anno 1704. gebaueten Collegio Anatomico. Anno 1709. am 4. Decembr. hielte die Universität allhier, mit grosser Solennität ihr drittes Jubel-Fest. Die Kirche S. Nicolai ist ein schönes Gebäude, und inwendig wohl gezieret, worine allzeit der Superintendens ist. Die Kirche S. Thomae, und die neue Barfüsser-Kirche sind ebenfalls ansehnliche Gebäude. Die Pauliner- und auch Peters-Kirche sind Anno 1700. biß 1712 renoviret worden, daß Leipzig also innerhalb der Mauren mit 6. Kirchen pranget. Die Commercien und Handlung haben diese Stadt vermögend gemacht, daß man rechte Königliche Palläste, worunter Apels Hauß wo der König logiret, wenn er zu Leipzig ist, und D. Romani Hauß, auch Auerbachii Hof, wo die lustbarsten Sachen verkauffet werden, Homans Hauß und die Kaufmanns-Börse sehens würdig sind. Das Rath-Hauß ist auf dem Marckte, in der Länge von Mittag gegen Mitternacht. Der Gottes-Acker vor dem Grimmischen Thor ist wegen der schönen Gewölber und Epitaphien sehenswürdig. Diese lustige Stadt ist rund umher mit Linden besetzet, und in den Vorstädten sind die trefflichsten Lust-Gärten mit allerhand raren Gewächsen und Orangerien angefüllet. Sie liegt 13. Meilen von Dreßden und Erffurt, 5. von Halle. Hier ist der Schöppen-Stuhl und Ober-Hoff-Gerichte. Wer Leipzig genau betrachtet, wird gestehen, es sey das Meißnische Kleinod, und ein irrdisches Paradieß zu nennen."

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